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Kurzinfo
8. August 2008

Der Redakteur erinnert sich: Die Idee zur PERRY RHODAN-FanEdition

Ich bin mir sicher, dass die Idee zur PERRY RHODAN-FanEdition im Rahmen einer dieser vielen Besprechungen entstand, die in den späten 90er Jahren immer in unseren Büros abliefen. Meist begannen sie zu einer Zeit, zu der die anderen Kollegen auf dem Flur bereits im Feierabend waren. Meist kam Eckhard Schwettmann, zu jener Zeit der Marketingleiter für PERRY RHODAN, in mein Büro. Mit dem Halbsatz »Hör mal ...« begann manche Unterhaltung, die innerhalb kürzester Zeit in ein Projekt gipfelte. Und manchmal begann ein Projekt auch mit einem Kurzbesuch meinerseits in seinem Büro.

Irgendwann um diese Zeit überlegten wir, dass PERRY RHODAN ein Nachwuchsproblem der besonderen Art hatte: Wir hatten praktisch keine Chance, neue Autoren auszuprobieren. »Wie schön war das damals in den 80er Jahren«, lamentierte ich bei solchen Gelegenheiten stets, »da schrieben die Autoren mal einen Roman für TERRA ASTRA, dann noch einen, dann konnten sie bei TERRA ASTRA einen kleinen Zyklus verfassen, und wenn sie das gut machten, kamen sie über  MYTHOR an ATLAN heran und vielleicht irgendwann auch bis zu PERRY RHODAN.«

Ebendiese Möglichkeiten fehlten mittlerweile: Anfangs der 90er Jahre hatte man noch mit den Taschenbüchern experimentieren können. Autoren wie  Achim Mehnert oder  Götz Roderer schickten unverlangte Manuskripte ein, die gedruckt wurden; Kollegen wie  Uwe Anton und  Hubert Haensel erarbeiteten sich durch ihre Taschenbücher einen hervorragenden Ruf. 1998 aber, als Eckhard und ich das Nachwuchsproblem diskutierten, gab es diese Taschenbücher eben nicht mehr.

Mein Ziel war, neue Autoren zu testen und sie so langfristig an die PERRY RHODAN-Serie heranzuführen. Nur wie sollte das geschehen? Wir entwickelten die Idee einer FanEdition, die in Zusammenarbeit mit der damals boomenden  PERRY RHODAN-FanZentrale entstehen sollte. Alle zwei Monate sollte in dieser ein Roman erscheinen: allerdings nicht in der Art üblicher Fan-Projekte, sondern unter den kritischen Augen der Redaktion.

»Die Länge entspricht der eines Heftromans, die Gestaltung ebenfalls«, propagierte ich in einem ersten Arbeitspapier, das ich am 22. April 1998 verfasste. »Thematisch müssen die Romane abgeschlossen sein, es darf keine Widersprüche zur PERRY RHODAN-Handlung geben.«

Ich wollte eine enge Anbindung an die Redaktion. Jeder Roman sollte uns vorher zur Prüfung vorgelegt werden; die Bearbeitung sollten zwar Fans erledigen, diese aber musste von der Redaktion übernommen werden. Der offizielle Herausgeber sollte ebenfalls jemand von uns sein, und wir lobten sogar ein kleines Honorar aus.

»Die PERRY RHODAN-Redaktion will eine Plattform für junge Talente setzen, sowohl für Autoren als auch für Zeichner«, argumentierte ich in dem Arbeitspapier. »Zugleich kann PERRY RHODAN sich damit stärker als Dachmarke für deutsche Science Fiction präsentieren.« Wir seien gewissermaßen die einzigen im Verlagsgeschäft, die etwas ernsthaftes für den Nachwuchs unternähmen.

Es dauerte wie immer eine Weile, in der das Projekt innerhalb des Verlages diskutiert und geprüft wurde. Doch im August 1998 konnte ich ein Schreiben an verschiedene Fan-Autoren aufsetzen, in dem ich diese aufforderte, sich mit eigenen Manuskripten an der FanEdition zu beteiligen. »Wir verstehen das ganze als ein Projekt zur Nachwuchsförderung«, schrieb ich den Autoren. Und ich legte eine Reihe von Eckpunkten fest, nach denen die gewünschten Manuskripte verfasst werden sollten.

Unter anderem sollten die Romane »ein möglichst originelles Thema« enthalten, »das definitiv innerhalb des PERRY RHODAN-Universums spielen« sollte. Der Roman müsse abgeschlossen sein, und es dürften keine Widersprüche enthalten sein. Im Schreiben wies ich auch darauf hin, dass ich gern einen Manuskript-Ausdruck sowie eine Diskette haben wollte. Heutzutage klingt das antiquiert, weil die meisten unserer Leser über einen Internet-Anschluss verfügen - damals war das ziemlich modern.

Seine Unterschrift setzte neben mir  Klaus Bollhöfener unter das Schreiben. Somit bekamen die Fan-Autoren einen offiziellen Brief vom Redakteur und vom Chef der FanZentrale - das sollte für Eindruck sorgen, so unsere Annahme. Und natürlich kamen auch bald die ersten Manuskripte ins Haus, und die Arbeit an der FanEdition sollte beginnen ...