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Kurzinfo
16. Juni 2008

Der Redakteur erinnert sich: Exposé-Konferenz in Oldenburg

Es sollte die erste Exposé-Besprechung in Norddeutschland werden - eine Konferenz in der niedersächsischen Stadt Oldenburg, um es genau zu sagen.  Ernst Vlcek und ich waren schon am Vortag in Hamburg eingetroffen, hatten uns dort ein wenig die Stadt angeschaut und bei diversen Kaffees eine Art Vorab-Besprechung absolviert, waren abends auf den PERRY RHODAN-Stammtisch gegangen und fühlten uns nun entsprechend gerüstet. Die eigentliche Konferenz am Sonntag, 19. Januar 1997, konnte beginnen.

Vom Hamburger Hauptbahnhof fuhren wir mit der Bahn nach Bremen, dort stiegen wir um und waren kurz vor zwölf Uhr im Hotel in Oldenburg.  Robert Feldhoff, der die Termine vor Ort vereinbart hatte, war im Hotel gewesen und hatte dort alles organisiert.

Dachten wir ...

Es war nur zu dumm, dass im Hotel niemand etwas von irgendwelchen Absprachen wusste. Weder waren die Namen  Frick und  Vlcek bekannt, noch wusste man irgend etwas davon, dass wir einen Besprechungsraum gemietet hatten. Und die Aussicht, vor Fernsehkameras das Hotel zu präsentieren, erzeugte kleine Schock-Attacken.

»Wir haben das Hotel erst vor zwei Tagen übernommen«, gab uns der sichtlich überforderte Mann an der Rezeption zur Auskunft. »Wir sind immer noch dabei, uns auf die neuen Erfordernisse einzustellen.« Der arme Kerl tat mir in seinem Stress richtig leid, und er gab sich redlich Mühe. Immerhin konnte er uns schon einmal die Zimmer zeigen, die irgendwann für uns fertig sein sollten, und den Frühstücksraum notdürftig als Besprechungszimmer herrichten.

 Robert Feldhoff, der mittlerweile eingetroffen war, zeigte sich irritiert. »So war das alles nicht geplant gewesen«, versicherte er glaubhaft. Zu dritt und mit Hilfe des Rezeptionisten drapierten wir Tische und Stühle entsprechend, packten PERRY RHODAN-Material auf den Tisch und versuchten eine Kulisse herzurichten, die so wirkte, wie man sich als Außenstehender wohl eine Exposé-Konferenz vorzustellen hatte.

Kaum waren wir fertig, tauchten auch schon die Fernsehleute auf: Der Norddeutsche Rundfunk gab sich die Ehre, gesendet werden sollte eine schöne Reportage über PERRY RHODAN. Die Herren waren recht angetan von unserem Arbeitstisch. Zeichnungen von Raumschiffen und ein Stadtplan von  Terrania City lagen mitten drauf, damit es »echt« aussah, also so, wie sich Fernsehleute etwas »echtes« vorstellen. Dazu kamen die Laptops von Robert und Ernst, ein Stapel von Ideenpapieren, drei Kaffeetassen und ein Aschenbecher.

Um 13 Uhr fingen wir mit der eigentlichen Arbeit an, und wir ignorierten die Fernsehleute so weit, wie es ging. Uns allen war klar, dass sie nichts von dem verstanden, was wir besprachen, also konnten wir auch über ernsthafte Themen reden. Zur Diskussion stand der PERRY RHODAN-Handlungsabschnitt nach Band  1875; die »Heliotischen Bollwerke« also. Ab Band  1876 sollte dieser Handlungsabschnitt neue Schauplätze innerhalb des Thoregon-Zyklus’ eröffnen.

Wir sprachen über Faktordampf-Barrieren und Dscherro, über Faktorelemente und Heliotische Bollwerke, über Stadtteile von Kalkutta und  Terrania, und wir versuchten, die vielen Ideen, die sich teilweise widersprachen, in klare Handlungsabläufe zu bringen. Ernst und Robert, die zwei unterschiedliche Handlungsebenen betreuten, tippten die Details immer gleich in die Laptops, während ich ab und zu handschriftliche Notizen machte.

Um halb vier ging das Fernsehen, wir waren erleichtert. Spontan beschlossen wir, endlich eine Mittagspause einzulegen, und gingen in ein Restaurant um die Ecke. Nicht einmal eine Stunde später kamen wir ins Hotel zurück.

Es sah alles aus wie bisher. Der freundliche Hotelier hatte das Zimmer in den Urzustand versetzt; ordentlich hatte er alle Unterlagen gestapelt und in einer Ecke aufeinander getürmt. Ein Haufen von Papier erhob sich da, gekrönt durch Kugelschreiber und einen mittlerweile geleerten Aschenbecher. Der Besprechungsraum stand uns nicht mehr zur Verfügung.

»Ich dachte, Sie seien fertig«, stammelte der arme Mann, als wir leicht sauer reagierten und ihm klarmachten, dass unsere Besprechung den ganzen Tag dauern sollte und wir vor allem für einen ganzen Tag bezahlt hatten. Das schien ihn aber zu überfordern; er war nicht in der Lage, den Frühstücks- wieder in einen Besprechungsraum zu verwandeln. Also schnappten wir das gesamte Papier und gingen in Ernsts Hotelzimmer; dort konnten wir arbeiten, während Ernst eine Zigarette nach der anderen rauchte.

Abends hatten sich unsere Köpfe derart an dieses Rauchen angepasst, dass wir ein Bier trinken wollten. Robert schleuste uns durch das Oldenburger Nachtleben und in eine nette Kneipe namens »Havana«. Die Kollegen hatten ihre Rechner im Hotel eingeschlossen, aber ich hatte glücklicherweise meinen Notizblock mitgenommen. Das erwies sich als sinnvoll, denn schon nach dem ersten Bier begann die weitere Diskussion: Wir dachten uns den sogenannten Chaosmacher sowie die Kultur der  Nonggo aus.

Danach schleppte uns Robert noch ins »Casablanca«, wo wir das Nachtleben in Oldenburg bis zur bitteren Neige auskosteten. Ein netter Abend, bei dem wir tatsächlich mehr gearbeitet hatten - wenn man es genau nimmt - als im Besprechungsraum unter der Aufsicht der Fernsehleute.

Am Montag erhielten Ernst und ich in dem Hotel ein Frühstück, das ich keinem meiner Gäste anbieten würde: Der Kaffee schmeckte nach Spülwasser, die Brötchen waren schlecht aufgebacken, Käse und Marmelade wirkten, als seien sie von »Rudis Resterampe« gefallen. Beide waren wir froh, als uns Robert abholte.

Zu einer letzten Besprechung gingen wir in ein sehr schickes Café, wo wir unter anderem die geplante Situation in der Milchstraße besprachen und uns überlegten, wie wir die  Siganesen geschickt in die Handlung integrieren konnten. Um 14 Uhr verließen Ernst und ich die niedersächsische Stadt. Seither war ich nie wieder dort - vielleicht sollte ich das bei Gelegenheit mal nachholen ...