1. Februar 2008
Seit der
Splitter-Verlag vor über einem Jahr neu gegründet worden ist, sind mehrere Dutzend neuer Comics auf den Markt gekommen, die sich durch verschiedene Gemeinsamkeiten auszeichnen: Bei allen Büchern handelt es sich um wunderbare Hardcover-Alben, die sehr gut gedruckt und gestaltet sind.
Auch inhaltlich geht die Splitter-Mannschaft um den PERRY RHODAN-Zeichner
Dirk Schulz den richtigen Weg: Textlich wie zeichnerisch sind die Alben auf hohem Niveau angesiedelt. Vor allem aus dem frankobelgischen Raum konnten zahlreiche Comics lizenziert werden, über die sich nun der deutschsprachige Leser freuen darf.
Grund genug, in dieser Woche mal wieder Splitter-Comics vorzustellen. Jeden Tag präsentieren wir euch einen »Splitter-Tipp«, um euch auf einige der aktuellen Comics des Verlages hinzuweisen.
Generell lohnt sich jedoch, in der Comic-Buchhandlung zu stöbern oder die Splitter-Homepage durchzuschauen ...
Ziemlich derbe SF-ActionDas härteste Paket im Programm des Splitter-Verlages ist definitiv die neue Serie »Yiu«: Hier kracht es auf jeder Seite, hier spritzt das Blut, hier herrscht gnadenlose Action in Verbindung mit krassen Dialogen. Vor diesem Comic muss ich geradezu warnen: Wer nur klassische Funny-Abenteuer mag oder heftige Action ablehnt, ist völlig fehl am Platz. Die anderen aber ... die bekommen schon jetzt zwei Alben dieser Serie.
Doch erst mal der Reihe nach. »Yiu« spielt in einer nicht ganz so fernen Zukunft auf der Erde, eine düstere Welt, in der knallhart auftretendes Militär, durchgeknallte Sektierer und Klon-Wesen zum »Alltag« gehören, in der die Geburtenrate gefallen ist und die Umwelt schon reichlich ruiniert erscheint. Ein 16 Jahre altes Mädchen namens Yiu, um dessen Geschichte es in den Alben geht, ist eine Killerin, die alle möglichen Kampftechniken beherrscht und dazu noch mit Computersystemen vernetzt ist. Ihre Gegner bringt sie mit Schusswaffen und Messern ebenso um wie mit bloßen Händen.
Gleich der erste Band der Serie legt die Messlatte für Action mit Präzision hoch: Yiu muss in »Die Armee des Neo-Mülls« ein Mädchen, das als Geisel genommen wurde, aus der Gewalt von Finsterlingen befreien. Dabei geht sie buchstäblich über Dutzende von Leichen und erfährt mehr über die Motive der Geiselnehmer, über Organhandel und korrupte Militärs.
Auch in »Die Auferstehung des Unreinen«, dem zweiten Band, kracht es ordentlich; diesmal sind die Dialoge wesentlich ausgefeilter, aber auch der »Derb«-Faktor wurde deutlich erhöht. Diesmal müssen beispielsweise gleich zu Beginn drei »Nonnen« sterben, um ihre Herzen als spezielle Ersatzteile für den Einsatz der Killerin zu »spenden«.
Ganz nebenbei geht es in beiden Alben übrigens immer um philosophische Themen, die im Geballer oft genug untergehen. Wann ist ein Mensch ein Mensch, welche Rechte haben Klone, und welchem Auftrag können und dürfen Religionen eigentlich folgen? Vor allem die Religionen egal welcher Art werden in »Yiu« auf diese Art und Weise kritisiert. Das beeindruckt vor allem deshalb, weil es in ungewöhnlicher Form daherkommt, zwischen spritzendem Blut und rollenden Köpfen gewissermaßen.
Das Trio Téhy, Vax und J.M. Vee setzt für einen europäischen Comic neue Maßstäbe in Sachen Action und Härte; allein das ist schon mal respektabel. Die Farbgebung des Comics wird oft von einem düsteren Rot beherrscht, weist aber genügend Details auf, um dem Comic-Freund tolle Bilder zu präsentieren. Insgesamt dürfte das nicht jedermanns Geschmack sein; mich fesselte die Story beidesmal aber so, dass ich kaum mit der Lektüre aufhören konnte.
Beide Alben umfassen 48 Seiten und kosten 12,80 Euro.
»Die Armee des Neo-Mülls« kann mit Hilfe der ISBN 978-3-939823-65-0 in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso über Versender wie Amazon.de. Dasselbe gilt für
»Die Auferstehung des Unreinen« und dessen ISBN 978-3939823-66-7. Wer noch nicht sicher ist, ob die Comics nicht zu derb für ihn sind, möge sich die interessanten Leseproben (
»Die Armee des Neo-Mülls«;
»Die Auferstehung des Unreinen«) auf der Splitter-Homepage anschauen. Und wer der französischen Sprache ein wenig mächtig ist, erhält auf der eigentlichen
Homepage der Serie noch viel mehr Bilder und Informationen.
Klaus N. Frick