8. August 2007
Seit Jahren begleitet mich ein Film, durch den ich immer mal wieder in Dritten Programmen zappe und bei dem ich denke: Nein, den mag ich mal von Anfang sehen:
»Wag the dog«. So zogen die Monate ins Land, und irgendwann hab' ich das Buch, auf dem der Film mit Robert de Niro und Dustin Hoffman beruht, auf einem Wühltisch gefunden. Dann hat es nur weitere schätzungsweise zwei Jahre gedauert, bis ich es nun endlich gelesen habe. Und ich habe es geahnt: Ich hab' echt was verpasst. Wobei das Buch aus den 90ern nichts an Brisanz verloren hat, schon gar nicht bei einer Bush-Regierung in den USA.
Joe Broz, ehemaliger Marine und CIA-Agent arbeitet für eine weltweite Sicherheitsfirma, die hauptsächlich aus ehemaligen Militärs besteht und ab und an auch mal die Kohlen für eine Regierung aus dem Feuer holt. Eines Tages kommt Maggie Lazlo in sein Büro in L.A. Maggie ist ein gefeierter Filmstar und engagiert Joe, um herauszufinden, wieso ein bekannter Hollywood-Regisseur einen Film mit ihr abgesagt hat und an welchem neuen Projekt er arbeitet. Joe, angetant von Maggie, übernimmt den Fall und bemerkt schnell, dass einiges mehr dahinter steckt als eine überspannte Schauspielerin. Hier könnte ein »ganz normaler« Thriller beginnen. Tut es nicht, denn hier beginnt der »lustige« Teil.
Lee Atwater, der Chef-Berater und Chef-Wahlkampfhelfer von George Bush sen., liegt im Sterben. Er weiß, dass sein Schützling die Wiederwahl zum Präsidenten wahrscheinlich nicht schaffen wird, schon gar nicht ohne ihn. Er überreicht dem Innenminister auf dem Totenbett ein Memo, das eine Wiederwahl Bushs garantiert. Atwater nimmt für das Memo Maggie Thatcher als Vorbild, die laut Umfragen nie eine Wiederwahl geschafft hätte - dann kam der Falkland-Krieg, und sie war der beliebteste Mensch im Vereinigten Königreich. Die Aufgabe ist klar definiert: Will Bush Präsident bleiben, muss er einen Krieg inszenieren und medienwirksam gewinnen.
Beinharts Buch ist gespickt mit Fußnoten, die seine Aussagen über Kriege, Politik und Medien bestätigen. Dadurch entsteht eine sehr interessante Mischung aus Fiktion und Dokumentation. Bernstein interpretiert die Fakten auf eine einerseits sehr amüsante aber andererseits sehr erschreckende Art und Weise. Das ergibt ein sehr düsteres Bild der amerikanischen Politik, die, so Bernstein, mehr mit Hollywood gemein hat, als man eigentlich wissen möchte.
Am Ende bleibt es offen, ob Hussein Kuweit auf Bitten der USA angegriffen hat, damit Bush seine Stärke wahren und Präsident bleiben kann, oder ob er selbst auf die Idee kam. Natürlich nicht umsonst. Krieg ist einer der besten Wirtschaftsfaktoren. Das Buch schließt mit einer ungeklärten Fragenliste zum Kuweit-Krieg. Der Leser kann und soll selbst entscheiden, wie er die Fakten interpretiert. Kann denn sein, was nicht sein darf?
Das Buch hat mich einerseits sehr fasziniert, aber auch sehr schockiert. Vor allem wenn man bedenkt, dass wieder ein Bush Präsident ist und sich die USA im Krieg befindet. Das Buch hat eindeutig Tendenzen zur Paranoia, aber da Beinhart seine Aussagen zum Teil belegt, sind sie nicht von der Hand zu weisen. Man lernt bei der Lektüre einiges über Hollywood und viel über die Kriege des letzten Jahrhunderts, über die Propaganda-Filme Hitlers, über die Medienberichterstattung beim Vietnamkrieg etc. Und zum Schluss das Fazit für einen perfekten Krieg. Mag jeder selbst entscheiden, was er daraus für Schlüsse zieht.
Unbedingt empfehlenswert!
Und bei Gelegenheit muss ich unbedingt noch den Film gucken.
Miriam Hofheinz